5, 9, 8 – WIR sind eine MACHT!

16. Januar 2019 | Von | Kategorie: Leitartikel, Luftsicherheit

Was für ein Tag! Die Luftsicherheit hat klar gemacht: Ohne uns geht nichts an den Flughäfen! Wir sind immer noch ganz geflasht von Euch! Der 15. Januar im Rückblick.

Es geht los!

Ab 1 Uhr waren wir vor Ort. Wir, das waren die Streikleitung, Gewerkschaftssekretäre, Vertrauensleute und Betriebsräte der Firmen FraSec, I-SEC, ICTS und POND. Streikposten besetzen wichtige Punkte, und es geht los. Jede S-Bahn wurde in Empfang genommen, an den Parkhäusern und Bushaltestellen sind ebenfalls Kolleg*innen vor Ort. Die ver.di-Streik-Westen wurden uns nur so aus den Händen gerissen. Zwei Gewerkschaftssekretär*innen, die sich normalerweise um den Einzelhandel und die Sparkassen kümmern, halten mit Kollegen der I-SEC die Stellung im T2.

Zentrale Anlaufstelle war das Streiklokal im Fraport Forum zwischen T1 und Fernbahnhof. Gleich um 2 Uhr wollten hier Kollegen die Streikerfassungsbögen ausfüllen um ihr Streikgeld zu beziehen. Verständlich, wenn man sich um 19 Uhr am Vortag auf den Weg zur Nachtschicht gemacht hatte. Wir hatten eigentlich geplant die Streikgelderfassung ab 6 Uhr zu machen, aber improvisieren gehört halt dazu. Schnell wurden im Flughafenbüro Blanko-Formulare ausgedruckt. Unser Stellvertretender ver.di-Bezirksgeschäftsführer springt in die Bresche und füllt mit den Kollegen die Streikgeld-Formulare und die Streiklisten aus. Gleichzeitig hilft er interessierten Kolleg*innen, die ver.di-Betrittserklärungen auszufüllen. Auch Streiklisten mussten noch nachproduziert werden, denn auch die gingen uns schneller aus als gedacht. Schon da war uns klar: Das wird ein Hammer-Tag.

Von Anfang an hatten wir vor Ort. Getränke und Obst. Es ist ja nicht ganz so einfach einen Caterer zu finden, der uns um 2 Uhr Kaffee usw. liefert. Der restliche Kram wurde für 6 Uhr bestellt. Wie sich noch rausstellen sollte hatten wir dabei aber etwas nicht bedacht…

Im Terminalbereich derweil skurrile Bilder. Menschenleere Hallen, verwaiste Kontrollstellen, an denen nur ein paar Bundespolizisten die Stellung halten.

Um 6 Uhr treffen dann die eingeteilten Kolleg*innen aus dem ver.di-Bezirk Frankfurt zur Streikgelderfassung ein. Antje Hamann und Luthfa Jungmann als Gewerkschaftssekretärinnen und unsere bewährte Verwaltungsmitarbeiterin Beate Josefi werden dabei von haupt- und ehrenamtlichen ver.dianern unterstützt, die sich freiwillig gemeldet haben. Doch immer öfter kommt die Frage: warum läuft keine Musik und wo bleibt eigentlich der Kaffee??? Während sich das Musik-Thema klären lässt (der mitgebrachte USB-Stick ist im Eimer, ein Kollege schließt sein Handy an und lässt Mucke über spotify laufen) versuchen wir hektisch den Caterer zu erreichen. Ein Streik am Flughafen von 2 bis 20 Uhr ohne Kaffee? Eine echte Katastrophe deutet sich an.

Gegen 8 finden sich plötzlich Streikende im A-Bereich zu einer Spontankundgebung ein. Auch Kamerateams sind vor Ort. Es wird Rabatz gemacht. Unser Verhandlungsführer Benjamin Roscher, der am Vorabend mit dem Auto aus Berlin angereist ist, spricht zu den Streikenden. Eigentlich super! Leider findet das die Konzernsicherheit der Fraport nicht so super. Man macht sich Sorgen, es könnte zu unkontrollierten Zusammenstößen mit Passagieren kommen und droht mit der Polizei. Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, beenden wir den Spontanaufzug und ziehen um in unser Streiklokal.

Parallel ist der Geschäftsführer des Catering-Services am Telefon. Unser Streik ist offenbar etwas zu erfolgreich, denn auch eine PWK wird bestreikt, die die Lieferung der Verpflegung jetzt blockiert. Schnell werden 26 Brezeln im Squaire gekauft, mehr hatte der dortige Bäcker nicht mehr. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Irgendwie kriegen wir es aber doch noch hin. Gegen 8:30 Uhr ist der Kaffee da, Rindswürste und Brezeln auch. Für 1400 Leute haben wir kalkuliert – ob’s langt? Auch das finanzieren übrigens die ver.di-Mitglieder mit ihren Beiträgen. Natürlich schicken wir niemanden weg, auch nicht die Mitglieder der Konkurrenz-Gewerkschaften.

Medien, Spontanität und Kaffee

Ebenfalls anwesend und seit dem frühen Morgen vor Ort ist die Presse. ARD, RTL, dpa, RPR1, alle reißen sich um Statements. Unser Landesfachbereichsleiter Mathias Venema und Benjamin sind besonders gefragt. Natürlich wollen die Medien auch mit Betroffenen sprechen. Kollegen geben spontan tolle Interviews, einige landen dann auch in der Tagesschau. Natürlich kriegen wir per Internet mit, dass auch die anderen zum Streik aufgerufenen Flughäfen dabei sind. Hannover, Bremen, Erfurt, Leipzig, Dresden, München, Hamburg. Überall stehen die Kollegen auf für höhere Löhne. Doch die überregionalen Medien konzentrieren sich auf den größten Flughafen – auf Frankfurt und damit auf uns.

Demozug

Um den Arbeitgebern gleichzeitig nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen, was wir denken, haben wir für 10 Uhr eine Kundgebung vor dem Tor 3 geplant. Unsere ver.di-Bezirksgeschäftsführerin Rosi Haus baut gemeinsam mit einem ehrenamtlichen Kollegen den guten alten ver.di-LKW auf, damit wir auch eine Bühne haben. Auch aus Verkehrssicherungsgründen war mit der Polizei abgesprochen, dass wir gegen 9:30 Uhr vom Terminal 1 dorthin marschieren. Doch die Kollegen wollen nicht mehr warten und ziehen früher los, sehr zum Missvergnügen der Polizei-Einsatzleitung. Aber es renkt sich wieder ein.

Am Tor 3 wärmen wir uns mit einigen Redebeiträgen auf. Es sprechen Qadeer Rana (BR-Vorsitzender FraSec und Bundendestarifkommission), Benjamin Roscher (ver.di Landesfachbereichsleiter 13 Berlin-Brandenburg und Verhandlungsführer), Mark Bergfeld (Europäischer Director Property Services Bereich  UNI Global), Hakan Bölükmese (Vertrauensleutesprecher BVD Fraport, Vorsitzender Landesfachbereich Verkehr), Karin Kappe (Konzernbetriebsratsvorsitzende  Fraport), Björn Wolf (Vertrauensmann bei Thomas Cook und Vorsitzender Landesfachbereich Besondere Dienstleistungen).

Einige Reden konnten wir mitschneiden und laden Sie nach und nach hoch!

Aus fast allen Bundesländern, in denen nicht parallel gestreikt wird sind Mitglieder der Bundestarifkommission gekommen. Alle sind mit auf der Bühne und unterstützen die Frankfurter Kolleginnen und Kollegen.

Gegen 10:30 Uhr geht’s dann los mit dem Demozug um den Hugo-Eckener-Ring und den Ankunftsbogen. Auch der eisige Wind kann uns die Stimmung nicht verderben. Vor der Ankunftsebene wird zu Bella Ciao und Deichkind schön abgeraved!

Es geht dem Ende zu

Zurück am Tor 3 schicken wir dann die Kolleginnen nach Hause, die vor 20 Uhr Dienstende gehabt hätten. Viele bleiben aber noch und leisten uns im Fraport Forum Gesellschaft. Dort treffen weiter neue Streikende ein. Die Spätschichten kommen. Natürlich nicht zum Dienst sondern zum Streik. Auch mit diesen Kolleg*innen ziehen wir in einer Kundgebung gegen 15:30 Uhr durchs Terminal 1. Gegen 18 Uhr machen sich die ersten auf den Weg, denn ab 20 Uhr müssen wir ja noch mal ran. Wenn auch nur für wenige Stunden für die 5er, für die 8er, 9er und alle weiteren Kolleg*innen in der Spätschicht endet ein teilweise kurzer Arbeitstag mit dem Dienstende.

„Scheiß Notdienste!“

Das habt nicht nur ihr uns gesagt, das haben wir uns auch selbst oft genug gedacht. Wir stehen weiter dazu, dass es grundsätzlich richtig war die Notdienstvereinbarungen mit FraSec und I-SEC abzuschließen! So wie es gelaufen ist, war das aber natürlich nicht mit den Herren der Geschäftsführungen abgesprochen! Wir werden gemeinsam mit unseren ver.di-Betriebsräten die Vorgänge genau aufklären. Soweit wie möglich werden wir Euch auch informieren. Wir werden auch unsere Schlüsse für’s nächste mal ziehen….

Ihr seid der Hammer!

 

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