Kein Freibrief für Lohndumping: ver.di fordert Nachbesserungen am Tariftreuegesetz

Zwei­te Lesung der HVTG-Reform im Hes­si­schen Land­tag: Ein star­kes Signal für fai­ren Wett­be­werb – wenn die Details stimmen!

Die­se Woche der Land­tag in Wies­ba­den über das neue Hes­si­sche Ver­ga­be- und Tarif­treue­ge­setz (HVTG). Ein ent­schei­den­der Tag für gute Arbeit und fai­ren Wett­be­werb in unse­rem Bundesland!

Gera­de in hoch­gra­dig per­so­nal­in­ten­si­ven Bran­chen wie dem Wach- und Sicher­heits­ge­wer­be ent­schei­det die­ses Gesetz über Sein oder Nicht­sein fai­rer Arbeits­be­din­gun­gen. Bei Lohn­kos­ten von oft 80 bis 90 % der Gesamt­kal­ku­la­ti­on ist der Lohn die ein­zi­ge Stell­schrau­be, um Prei­se zu drü­cken. Wenn der Preis aber das ein­zig rele­van­te Zuschlags­kri­te­ri­um bei öffent­li­chen Auf­trä­gen ist, sind Unter­neh­men, die ihre Leu­te gut bezah­len und behan­deln im Nach­teil. Ohne ein star­kes Tarif­treue­ge­setz gewin­nen am Ende immer die­je­ni­gen, die am bru­tals­ten nach unten kalkulieren.

Als Gewerk­schaft for­dern wir zwin­gen­de Nach­bes­se­run­gen, damit das Gesetz in der Pra­xis kein zahn­lo­ser Papier­ti­ger wird. Denn in die­sen sen­si­blen Berei­chen, die eigent­lich der Gefah­ren­ab­wehr und dem Schutz der öffent­li­chen Ord­nung die­nen, tum­meln sich lei­der immer noch unfai­re, geset­zes­lo­se Anbie­ter, die den Markt mit kri­mi­nel­ler Ener­gie verzerren.

Unse­re zwei kla­ren Bot­schaf­ten an die Abge­ord­ne­ten für die Debatte:

  1. Ganz­heit­li­cher Tarif­schutz statt „Schmal­spur-Lohn­schutz“ (§ 4 HVTG) – Schlupf­lö­cher für Lohn­dum­ping schlie­ßen! Ein rei­ner Stun­den-Min­dest­lohn auf dem Papier greift völ­lig zu kurz und ist eine Ein­la­dung für unse­riö­se Anbie­ter. In Bran­chen wie dem Wach- und Sicher­heits­dienst, wo rund um die Uhr gear­bei­tet wird, leben die Beschäf­tig­ten von den tarif­li­chen Zula­gen. Unse­riö­se Fir­men trick­sen hier sys­te­ma­tisch: Sie zah­len for­mal zwar den gefor­der­ten Grund­lohn, strei­chen aber klamm­heim­lich Nacht‑, Sonn­tags- und Fei­er­tags­zu­schlä­ge, ver­wei­gern tarif­li­chen Urlaub oder stu­fen qua­li­fi­zier­te Kräf­te in die nied­rigs­te Ent­gelt­grup­pe ein. Wer nur den nack­ten Lohn regelt, legi­ti­miert die­ses Lohn­dum­ping durch die Hin­ter­tür und drängt rechts­treue Betrie­be aus dem Markt. Die Rechts­ver­ord­nung muss daher zwin­gend die gesam­te tarif­li­che Kos­ten­struk­tur und alle ent­gelt­re­le­van­ten Bestand­tei­le umfassen!
  2. Büro­kra­tie­ar­me Prä­qua­li­fi­ka­ti­on (PQ-Tarif) statt Zet­tel­wirt­schaft (§ 10 HVTG) – Schwar­ze Scha­fe gezielt jagen! Nie­mand will zusätz­li­che Büro­kra­tie. Des­halb schla­gen wir ein rechts­si­che­res, schlan­kes Ver­fah­ren vor: Die tarif­ver­trag­lich doku­men­tier­te Tarif­bin­dung eines Unter­neh­mens – bestä­tigt durch die Tarif­ver­trags­par­tei­en – muss als prä­qua­li­fi­zie­ren­der Nach­weis aner­kannt wer­den. Das ent­las­tet rechts­treue, tarif­ge­bun­de­ne Betrie­be und schont die Res­sour­cen der Ver­wal­tung. Gleich­zei­tig ermög­licht es der neu­en staat­li­chen Kon­troll­grup­pe (§ 19), sich ohne Ablen­kung auf die wirk­lich risi­ko­be­haf­te­ten, nicht tarif­ge­bun­de­nen Anbie­ter zu kon­zen­trie­ren. Nur so legen wir das Hand­werk derer, die mit Schein­selbst­stän­dig­keit, ille­ga­ler Beschäf­ti­gung und Unter­schla­gung von Sozi­al­ab­ga­ben den ehr­li­chen Wett­be­werb zerstören.

Unser Appell an den hes­si­schen Land­tag: Gehen Sie die­sen wich­ti­gen Schritt kon­se­quent zu Ende. Machen Sie das HVTG zu einem wirk­sa­men Schutz­schild gegen Lohn­dum­ping, kri­mi­nel­le Machen­schaf­ten und zu einem ech­ten Instru­ment für unbü­ro­kra­ti­sche, fai­re Vergaben!